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Bundesaußenminister Steinmeier verleiht Brandenburger Freiheitspreis an Menschenrechtszentrum Cottbus

Brandenburg an der Havel, 11. Oktober 2016. Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier hat heute im Rahmen einer Festveranstaltung im Brandenburger Dom das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. mit dem Brandenburger Freiheitspreis 2016 ausgezeichnet. Steinmeier ist der Schirmherr des Preises, der letztes Jahr vom Domstift Brandenburg anlässlich des 850-jährigen Domjubiläums ausgelobt wurde.

Eine fünfköpfige Jury unter Vorsitz des Domdechanten Prof. Dr. Wolfgang Huber hatte das Menschenrechtszentrum aus zahlreichen Vorschlägen ausgewählt. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre, immer am Tag der Grundsteinlegung des Domes, verliehen. Finanziert wird der Preis durch die Deutsche Bank und den Technologiekonzern im Automobilsektor ZF Friedrichshafen. Als Vertreter waren Jürgen Fitschen, ehemaliger Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank AG, sowie Andreas Hartmann, Generalbevollmächtigter der ZF Friedrichshafen AG, anwesend. Unter den rund 200 Gästen im Brandenburger Dom waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Religion und Kultur. 

Das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. wurde 2007 gegründet. Mehrheitlich engagieren sich hier ehemalige politische Gefangene des einstigen Zuchthauses. Der Verein hat 2011 das gesamte frühere Gefängnisareal erworben und betreibt in den z. T. noch original erhaltenen Gebäuden eine Gedenk- und Bildungsstätte. 

Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Mitglied der Jury des Freiheitspreises, begründete die Entscheidung u. a. damit, dass die ehemaligen politischen Gefangenen nicht nur an das vergangene Unrecht erinnerten, sondern sich aktiv für die Opfer von gegenwärtiger Unfreiheit und fehlender Rechtsstaatlichkeit einsetzten.

Für das Menschenrechtszentrum nahmen die beiden Vorsitzenden des Vereins, Sylvia Wähling und Dieter Dombrowski, Vizepräsident des Brandenburgischen Landtages und ehemaliger Häftling, die Auszeichnung entgegen. Dombrowski freut sich: „Besonders junge Menschen sollen durch die Auseinandersetzung mit dem Schicksal politischer Gefangener in der DDR dafür sensibilisiert werden, dass die Werte einer freiheitlich-demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft erhaltenswert sind und dass Menschenrechte nicht nur im Grundgesetz, sondern auch in der Realität geachtet werden müssen. Wir nehmen diesen Preis stellvertretend für all die Menschen an, die den Glauben an die Freiheit nie aufgegeben haben.“

Steinmeier würdigte das Zentrum in seiner Laudatio. „Das Menschenrechtszentrum und ehemalige Zuchthaus Cottbus verkörpert den Wert der Freiheit durch die Erfahrung der Unfreiheit! Wir zeichnen die ehemaligen Häftlinge und Initiatoren des Menschenrechtszentrums aus – nicht nur aus Respekt vor den Erfahrungen, die sie und andere Opfer von DDR-Unrecht machen mussten, sondern wegen der Lehren, die sie daraus gezogen haben. In der Not der Unfreiheit haben sie erkannt, dass die Freiheit lebensnotwendig ist – und zwar für alle Menschen. Dafür setzen sie sich heute in bewundernswerter Weise ein.“

Der Brandenburger Freiheitspreis wird an herausragende Personen oder Institutionen vergeben, die engagiert und vorbildlich in den Bereichen Kultur, Religion, Wirtschaft oder Politik zur Verwirklichung des Freiheitsgedankens beigetragen haben. Der Jury gehören an: Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Dr. Jakob Hein, Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Huber, Prof. Dr. Christoph Möllers und Dr. Sigrid Nikutta. Weitere Informationen zum Freiheitspreis sind im Internet unter brandenburger-freiheitspreis.de zu finden. 

Über das Domstift Brandenburg:
Das Domstift Brandenburg ist die älteste Institution des Landes Brandenburg mit einer über 850 Jahre währenden Tradition. Zu seinen Aufgaben gehören die Erhaltung und zeitgemäße Nutzung des umfangreichen historischen Gebäudeensembles aus Dom, Klausur, Kurien und Nebengebäuden. Mit seinen Konzertreihen, dem Archiv und Museum, den Gottesdiensten und den beiden Evangelischen Schulen zieht der Dom zu Brandenburg jährlich über 60.000 Besucher an. Im Jahr 2015 feierte das Domstift das 850-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung des Doms. Weitere Informationen unter dom-brandenburg.de.

Über das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.:
Der Verein setzt sich die Aufklärung über die Rolle des Cottbuser Zentralgefängnisses zum Ziel, insbesondere während der Zeit der beiden deutschen Diktaturen. Er möchte einen Beitrag zur Versöhnung leisten und in Aufarbeitung der Unrechtsgeschichte an diesem Ort Verständnis und Hilfsbereitschaft für Menschen wecken, die in anderen Staaten dieser Welt politisch, rassisch oder religiös verfolgt werden. Die Dauerausstellung „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933-1989“ zeigt typische Beispiele politischen Unrechts aus der Zeit der NS-Terrorherrschaft bzw. der SED-Diktatur. Das Projekt Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus lebt besonders vom ehrenamtlichen Engagement vieler privater Unterstützer. Weitere Informationen unter menschenrechtszentrum-cottbus.de.